VG vs. PG im E-Liquid: Dampfvolumen, Viskosität & Geschmack
Pflanzliches Glyzerin oder Propylenglykol? Dieser maßgebliche Guide entlarvt die molekularen Unterschiede und zeigt dir das optimale Mischungsverhältnis für dein Gerät – von Pod Systemen bis Cloud Chasing.
⚡ Schnellentscheider: Die 5 Kernfakten
- ✔ VG (Glycerol) ist zähflüssig (1.412 mPa·s), erzeugt maximale Dampfwolken und dämpft Aromen leicht.
- ✔ PG (Propylenglykol) ist dünnflüssig (56 mPa·s), transportiert Aromamoleküle optimal und sorgt für Throat Hit.
- ✔ Thermodynamisch: Sinkende Temperaturen erhöhen die VG-Viskosität exponentiell – Winterdampfen erfordert 50/50-Liquids.
- ✔ Verbrannte Züge (Dry Hits) bei zu viel VG = unzureichender Nachfluss. Gurgeln/Siffen bei zu viel PG = Überfeuchtung der Watte.
- ✔ Reinheitsgrad: Nur Ph. Eur. / USP (≥99,5 %) ist für den Verdampfungsprozess sicher.
Sofort-Empfehlung nach Gerätetyp:
§1.Molekulare Eigenschaften & Reinheit
Propylenglykol (1,2-Propanediol, C₃H₈O₂, E1520) und pflanzliches Glyzerin (Glycerol, C₃H₈O₃, E422) sind die beiden dominanten Grundstoffe nahezu aller E-Liquids. Chemisch handelt es sich bei beiden um einwertige Alkohole, die aufgrund ihrer Hydroxylgruppen eine hohe Affinität zu Wasser und polaren Aromamolekülen besitzen. Die pharmazeutische und lebensmittelrechtliche Spezifikation (Ph. Eur. / USP) verlangt einen Reinheitsgrad von mindestens 99,5 %. Geringere Qualitätsstufen können Rückstände wie Ethylenoxid oder Diethylenglykol enthalten, die beim Verdampfen gesundheitsgefährliche Nebenreaktionen begünstigen.
Glycerol kristallisiert bei Raumtemperatur zu einer weißen, hochviskosen Masse und ist durch drei Hydroxylgruppen extrem hygroskopisch – es absorbiert atmosphärische Feuchtigkeit, was die Alterung und Trübbarkeit von Liquid über Wochen beeinflusst. Propylenglykol hingegen ist bei Standardbedingungen eine farblose, klare Flüssigkeit mit leicht süßlichem Eigengeschmack und deutlich reduzierter Hygroskopizität. Beide Substanzen sind thermisch stabil bis ca. 230–260 °C; darüber hinaus entstehen Zersetzungsprodukte wie Acrolein, Formaldehyd und Acetaldehyd. Moderne Verdampfer arbeiten im Bereich 150–280 °C, wobei kontrollierte Verdampfung diese Nebenprodukte auf Spuren beschränkt. Entscheidend ist die Kombination aus ausreichender Luftzufuhr, korrekter Wattemenge und definierter Coil-Geometrie – nur dann wird das thermodynamische Gleichgewicht zugunsten sauberer Verdampfung kippen und die Reinheit der Basen voll ausgeschöpft.
§2.Viskosität & Nachflussmechanik (Capillary Action)
Die Viskosität ist der zentrale Parameter, der das Fließverhalten eines Liquids in Kapillarstrukturen bestimmt. Glycerol besitzt bei 20 °C eine dynamische Viskosität von rund 1.412 mPa·s – es ist damit etwa 25-mal zäher als Propylenglykol, dessen Wert bei vergleichbaren Bedingungen nur 56 mPa·s beträgt. Entscheidend ist die exponentielle Abhängigkeit von der Temperatur: Während PG nahezu linear auf Abkühlung reagiert, steigt die VG-Viskosität bei sinkender Umgebungstemperatur überproportional. Diese physikalische Eigenschaft steuert unmittelbar die Capillary Action in den Wattekanälen des Coils. Capillary Action beschreibt die Fähigkeit von Flüssigkeiten, aufgrund von Adhäsions- und Kohäsionskräften entlang feiner Poren und Kapillaren gegen die Schwerkraft zu wandern. Ein zu geringer PG-Anteil bedeutet: die zähflüssige VG-Base durchströmt die Watte zu langsam, der Verdampfer verbraucht mehr E-liquid als nachgeliefert wird – das Resultat ist ein Dry Hit, der aufgeheizte Watte verglüht und bei jedem Zug Schadstoffe in den Dampf bringt.
Andererseits kann ein überhöhter PG-Anteil (z. B. bei einem 30/70-Mix in einem leistungsstarken DL-Verdamper) zu Siffen und Gurgeln führen. PG fließt so schnell nach, dass überschüssige Flüssigkeit an den Luftkanälen austritt und dort Blasenbildung verursacht. Praktisch heißt das: Die Verdichtung der Watte, die Bohrdurchmesser der Juice-Ports und die Kapillarkraft des verwendeten Fadens müssen im richtigen Verhältnis zur Basen-Viskosität stehen. Ein faustregelartiger Orientierungsrahmen: Je kleiner die Kapillaren und je geringer die Leistung, desto höher muss der PG-Anteil sein – und umgekehrt gilt bei großen, hochporösen Wicks in RDA-Systemen, dass Max VG den optimalen Nachfluss garantieren kann, solange ein flüssigkeitsgeführtes System vorliegt.
§3.Dampfvolumen vs. Geschmacksträger-Dynamik
Propylenglykol fungiert als polares Trägermedium par excellence. Aufgrund seiner niedrigen Oberflächenspannung und der intermediären Polarität bildet PG mit aromatischen Verbindungen thermodynamisch stabile Mischungen und transportiert Aromamoleküle direkt in die Atemwege. Chemische Aromen mit polarem Charakter (Frucht-, Menthol- und Süßstoff-Verbindungen) binden besonders effizient an PG-Moleküle, was sich in einem scharf artikulierten Geschmacksprofil mit hoher Intensität und sauberer Attacke niederschlägt. Ebenso übernimmt PG die thermische Weiterleitung an die Wattleitung und verdampft bei niedrigeren Temperaturen (ca. 186 °C Siedepunkt), wodurch bei geringerer Coil-Temperatur bereits maximale Dampfentwicklung erreicht wird.
Glycerol besitzt dagegen einen deutlich höheren Siedepunkt (290 °C) und benötigt mehr Energie, um in die Gasphase zu übergehen. Dafür liefert es beim Verdampfen dichte, schneeweiße Aerosolwolken: Die größeren Glycerol-Tropfen im Nebel brechen und streuen das Licht stärker, was die charakteristische milchige Optik erzeugt. Gleichzeitig besitzt Glycerol eine natürliche, dezente Süße (ca. 60 % der Süßkraft von Saccharose), die Zuckeraustauschstoffe in Aromen harmonisch ergänzen – oder überschwemmt, je nach Verhältnis, das Geschmacksprofil mit ungewollter Süße. Kritisch ist, dass höhere VG-Anteile die Aromawahrnehmung teilweise dämpfen, da die größeren, schwereren Glycerol-Moleküle weniger effektiv mit flüchtigen Aromaverbindungen assoziieren. Praxiskonsequenz: Für 70/30- und 80/20-Basen benötigt man 2–5 % höhere Aromadosierung, um im fertigen Liquid den gleichen Geschmackseindruck wie in einer 50/50-Mischung zu erzielen. Diese Korrektur im DIY-Bereich ist unerlässlich für reproduzierbare Geschmacksprofile.
§4.Mischungsverhältnis-Matrix 2026
Die Wahl des VG/PG-Verhältnisses ist der entscheidende Hebel, mit dem sich Dampfvolumen, Geschmack, Throat Hit und Flussverhalten des Liquids steuern lassen. Die folgende Matrix fasst die fünf gängigsten Mischungen mit ihren präzisen thermodynamischen und sensorischen Eigenschaften zusammen – orientiere dich primär an deiner Hardware, denn die Coil-Geometrie bestimmt die Grenzen, innerhalb derer ein Liquid sicher funktioniert.
| VG/PG-Verhältnis | Viskosität | Dampfvolumen | Geschmack | Throat Hit | Optimaler Verdampfertyp |
|---|---|---|---|---|---|
| 50/50 | Niedrig | Moderat | Krass & klar | Stark | Pod-Systeme, MTL |
| 60/40 | Mittel | Mittel-hoch | Ausgewogen | Mittel | RDL / leichtes DL |
| 70/30 | Hoch | Hoch | Voll & rund | Niedrig | Sub-Ohm, Fertigcoils |
| 80/20 | Sehr hoch | Sehr hoch | VG-betont | Sehr niedrig | Cloud Chasing / RTA |
| Max VG | Extrem hoch | Maximal | Dezent / süß | Minimal | RDA, Allergiker |
§5.Throat Hit & PG-Unverträglichkeit
Der Throat Hit – das prickelnde, teils reizende Gefühl im Rachen beim Inhalieren – wird maßgeblich durch Propylenedenglykol induziert. PG reagiert auf Schleimhautrezeptoren in Rachen und Luftröhre, ähnlich wie Menthol oder scharfe Gewürze, und löst ein intensives Kratzen aus. Je höher der PG-Anteil im Liquid, desto deutlicher wird dieser Effekt. Für Umsteiger von herkömmlichen Zigaretten ist dieser Effekt positiv, da er die sensorische Rückkopplung simuliert, die an den klassischen Nikotin-Abguss gewöhnt ist. Bei höheren PG-Konzentrationen und insbesondere über längere Verdampfungseinheiten kann die Substanz jedoch zu deutlicher Trockenheit im Rachen führen.
Typische Anzeichen einer PG-Sensitivität umfassen: anhaltenden trockenen Hals, erhöhten Reizhusten bei jedem Zug, ein Engegefühl in der Brust, Haustrockenheit der Lippen, bis hin zu leichten Schwellungen des Rachens. In seltenen Fällen zeigt sich eine Art Kontaktallergie mit Juckreiz im Gesicht, Tränenreiz oder leichte Atemnot. Betroffene sollten ihren PG-Anteil Schrittweise reduzieren und beobachten, ob die Symptome abklingen.
Als Alternative stehen High-VG-Mischungen (80/20 bis 100 % VG) zur Verfügung, da Glycerol für Schleimhäute deutlich verträglicher ist und keinen so intensiven Reiz ausübt. Der Nachteil: Weniger Throat Hit und ein etwas dämpfteres Aromaprofil. Für Puristen gibt es zudem Bio-PG (1,3-Propandiol), das als naturidentische Variante aus Rapsöl gewonnen wird und häufig als noch gut verträglicher gilt. Praktisch heißt das: Wer auf zu viel PG reagiert, profitiert sofort vom Wechsel zu 70/30 oder 80/20 – ein einfacher Heilversuch, bevor ein Arzt hinzugezogen wird. Halbiere zunächst den PG-Anteil und beobachte 3–5 Tage. Setzt sich die Entspannung der Atemwege durch, dann ist die PG-Konzentration als Auslöser bestätigt.
§6.Thermodynamik & Winterdampfen
Die Viskosität von Flüssigkeiten ist, physikalisch betrachtet, eine exponentielle Funktion der Temperatur. Für Glycerol gilt dieses Verhältnis besonders eindrücklich: Bei Raumtemperatur (20 °C) liegt die dynamische Viskosität bei etwa 1.412 mPa·s – auf 0 °C abgekühlt verdoppelt sich dieser Wert grob, während bei –10 °C die Basis extrem zähflüssig und nahezu gelartig wird. Diese Veränderung folgt der Arrhenius-Kinetik: Mit sinkender Temperatur verringert sich die kinetische Energie der Moleküle, die intermolekularen Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den drei Hydroxylgruppen der Glyzerolmoleküle werden stabiler, und der innere Reibungswiderstand steigt.
Die praktische Konsequenz für Dampfer im Freien: Ein 70/30-Liquid, das bei 20 °C in einem Sub-Ohm-Fertigcoil problemlos nachfließt, kann bei Minustemperaturen im Winter die Capillarkapazität des Wattefadens überfordern. Die Folge sind Dry Hits bereits nach wenigen Zügen, da die Kohle überhitzt wird, bevor die zähe Basis nachgeliefert ist. Nicht selten kommt es dabei zu mechanischer Schädigung des Cottons – die Watte verkohlt irreversibel und der Coil muss getauscht werden.
Die Lösung liegt im saisonalen Wechsel auf 50/50- oder 60/40-Basen. Diese Mischungen verlieren bei Kälte deutlich weniger an Fließfähigkeit und garantieren einen sicheren Nachfluss bis in den leicht unteren Negativbereich. Ein weiterer Tipp: Im Winter das Gerät in der Innentasche (ca. 20–30 °C) lagern und vor dem ersten Zug im Freien mehrmals anpusten, damit die Basis sich in der Coil erwärmt. Auch die Verwendung eines Batterie-Mantels mit Isolierschicht kann hilfreich sein, da sich Kälte nicht nur auf die Basis, sondern auch auf den Akku auswirkt.
§7.Kaufberatung & Basen-Empfehlung
Für den gezielten Mischansatz lohnt es sich, vorgefertigte Basen in der richtigen Konzentration zu erwerben – besonders im Bereich der Nicotinshots gibt es mittlerweile VG-lastige und PG-lastige Varianten, die das Mischungsverhältnis präzise steuerbar machen.
50/50 Basis für Pods & MTL
Perfekt für Einsteiger und kompakte Geräte mit niedriger Leistung (8–20 W). Gleichmäßiger Throat Hit, klarer Geschmack, zuverlässiger Nachfluss – auch bei niedrigeren Temperaturen.
✔ Optimaler Einstieg, fast universell kompatibel
✔ Große Auswahl in 50 ml- und 100 ml-Basen
✘ Weniger Dampf als VG-lastige Basen
70/30 Basis für Sub-Ohm & RTA
Das Vorzeige-Mix für alle Sub-Ohm-Fertigcoils und RTA-Systeme im Leistungsbereich 40–120 W. Dichte Wolken, volle Geschmacksstruktur und stabiler Nachfluss in großen Kapillaren.
✔ Ausgezeichnetes Cloud-to-Flavor-Verhältnis
✔ Sinnvoll auch für Cloud-Chasing-Einsteiger
✘ Nicht für kleine Pods / MTL geeignet
Empfehlung der Redaktion: Beginne im Zweifel immer mit dem niedrigeren VG-Anteil und steigere ihn Schrittweise – so vermeidest du teure Coil-Schäden. Alle unsere Basen erfüllen die Ph.-Eur.-Qualitätsnorm und sind hinsichtlich ihrer Mischungsverhältnisse präzise deklariert.
§8.Häufig gestellte Fragen
Was ist das beste VG/PG-Verhältnis für Einsteiger?
Für die allermeisten Einsteiger empfehlen wir ein 50/50-Mix oder 60/40. Dieser Kompromiss funktioniert in nahezu allen Pods, MTL- und RDL-Geräten und bietet einen ausgewogenen Throat Hit bei guter Dampfproduktion – ideal, um den eigenen Geschmack sinnlich zu erfassen.
Kann ich ein VG/PG-Verhältnis selbst mischen?
Ja, ein 50/50-Liquid lässt sich einfach erzeugen, indem man eine 70/30-Base mit einer geringen Menge PG versetzt. Durch Umrühren bei leicht erhöhter Temperatur (40–50 °C) wird die Mischhomogenität innerhalb weniger Minuten erreicht. Nutze dabei ausschließlich Ph.-Eur.-reine Basen.
Warum gurgelt mein Liquid trotz korrektem Verhältnis?
Gurgeln deutet auf eine Überfüllung der Juice-Ports oder eine zu geringe Kapillarkraft des Wattefadens hin. Oft liegt es an einer zu hochporösen Baumwolle in einem MTL-RBA, die durch den PG-Anteil überschwemmt wird. Eine geringe Wattemenge oder größere Wicks lösen das Problem.
Ist Max VG-liquid gesünder als 50/50?
Es gibt keine wissenschaftliche Belegung, dass eine der beiden Basen grundsätzlich gesünder sei. Allerdings weist VG deutlich weniger Reizpotenzial für Schleimhäute auf, während PG den Throat Hit intensiviert. Bei vorbestehender Luftröhrenempfindlichkeit kann 100 % VG objektiv verträglicher sein.